Ambivalenz

Manchmal möchte ich schreien: "Lasst mich alle in Ruhe!". Doch möchte ich das genaue Gegenteil davon. Und in Wahrheit? Da mache ich nichts von beidem. Bleibe still und ziehe mich zurück, in der Hoffnung dass es zumindest einer bemerkt. Die Ambivalenz sucht seines gleichen. Zur selben Zeit soll es keiner bemerken, niemand wissen was los ist. Es ist schwer zu erklären und noch schwerer zu verstehen. Vielleicht sogar unmöglich.

Es geht mir nicht gut. Ich wünsche mir jemanden, mit dem ich darüber reden kann. Der mich beruhigt und keine Phrasen wie "das wird wieder" verwendet. Es soll einfach jemand da sein. Der Fels in der Brandung, der bei jedem Sturm standhaft bleibt und nicht abhaut, wenn es ihm gefällt. Gibt es so jemanden überhaupt? Es ist nicht so, dass es keine Menschen gibt, die ich gerne um mich habe und die mit mir reden. Die andere wahrscheinlich als "Freund" bezeichnen würden. Auch ist es nicht so, dass ich Ihnen nicht traue. Glaube ich zumindest - auch wenn ich zugebe ein Vertrauensproblem zu haben. Es ist eher so, dass ich - obwohl ich mir jemanden an meiner Seite wünsche - niemanden so nah an mich heran lassen kann. Jedenfalls nicht mehr.

Alle, bei denen ich meine Barriere endlich ablegen konnte, mit denen ich wirklich geredet habe, sind heute nicht mehr da. Zumindest nicht in meinem Leben. Jedes Mal veränderte sich danach unsere Beziehung und ich stand wieder alleine dar. Ob es nun S. oder L. war. Im ersten Moment war ich erleichtert und habe sie Freunde genannt. Das ging auch einige Zeit gut. Dann schlug das Leben zu und plötzlich gab es keinen Kontakt mehr. Ganz gleich, wie sehr man sich geschworen hatte, das dies nicht passiert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Von jetzt auf gleich. Heute gibt es nicht mal mehr ein "like" bei Facebook (ganz gleich wie ich "sozialen" Netzwerken gegenüber stehe).

Ich beschwere mich ja nicht. Wenn sie nicht mehr möchten, dann möchten sie nicht mehr. Aber es tut extrem weh. Ich habe extrem lange gebraucht, damit ich auch nur einen Bruchteil von mir S. anvertrauen konnte. Sie konnte mich verstehen und mir halt geben. Dann kam der Bruch und ich war wieder alleine. Zu dem Zeitpunkt trat L. in mein Leben. Auch hier brauchte ich lange. Schlussendlich wusste auch sie einen Teil meiner Geschichte und meiner Gedanken. Und auch hier stand ich plötzlich wieder verlassen da. Es ist ganz normal im Leben, dass Leute verschwinden. Damit komme ich mittlerweile klar. Aber es schmerzt, wenn es die Vertrauensperson ist. Umso mehr, wenn es so plötzlich und ohne Grund ist.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich niemandem anvertrauen möchte. Habe ich Angst, dass auch sie verschwinden? Ich will mich nicht nochmals so verletztbar machen, mich nochmals jemandem so ausliefern. Denn danach stehe ich wieder alleine im dunkeln, noch gebrochener als ich war. Ich versuche es, wirklich. Aber jeder Schritt den ich vorwärts mache, bei dem ich versuche mich zu öffnen, wirft mich einen Schritt zurück. Ich fühle mich schon abgewiesen, bevor ich überhaupt etwas gesagt habe. Immer wenn es mir schlecht geht, sehe ich in jeder Handlung eine Zurückweisung. Auch wenn mein Gehirn, die Logik, mir sagt, dass dem nicht so ist.

Also ziehe ich mich zurück in mein Schneckenhaus in der Hoffnung, nicht noch mehr verletzt zu werden. Trotzdem wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass es diesen Jemand gibt, der mich dort heraus zieht und bei mir bleibt. Doch wie schaffe ich das? Es scheint, als habe das Schneckenhaus ein Schloss vor der Tür, welches nur von außen zu öffnen ist.

2.3.15 21:44

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